Die Erzählperspektive

Kann uns ein größeres Glück widerfahren, als für eine Weile die Dinge mit den Augen des anderen betrachten zu können?

–  Henry David Thoreau –

Die Erzählperspektive ist mit unter einer der wichtigsten Punkte, ohne die funktioniert rein gar nichts. Deshalb stellen sich viele häufig die Frage: Aus welcher Perspektive soll geschrieben werden. Aus der neutralen oder doch lieber aus der auktorialen? Welche ist besser?

Diese Fragen stellen sich die meisten Anfänger am Anfang oder aber es gibt Menschen, die bereits wissen aus welcher Perspektive sie am besten schreiben können. Menschen die mehr Erfahrung mit dem Schreiben haben, denen fällt es nicht schwer. Doch Anfänger war jeder von uns und jeder hat seine Fehler gemacht. Damit du diese vermeidest erkläre ich dir die verschiedenen Erzählperspektiven, damit du diese in deinem Roman perfekt beherrscht.

Insgesamt gibt es vier verschiedene Erzählperspektiven:
– Der Auktoriale Erzähler
– Der Personaler Erzähler
– Der Neutrale Erzähler
– Der Ich-Erzähler
Jede Erzählperspektive hat seine eigenen Merkmale, die sie so einzigartig machen, doch nicht jeder Autor beherrscht jede Perspektive. Der eine bevorzugt den Auktorialen, der andere wiederum den Ich-Erzähler. Wozu du gehörst kannst du dann in Ruhe im Nachhinein entscheiden.

 


Der Auktoriale Erzähler

Der auktoriale Erzähler (lat. auctor = Urheber, Berichterstatter) oder auch „der Allwissende“, ist eine Erzählperspektive in der er in der Lage ist in die Köpfe aller Charaktere schauen zu können. Er ist zwar innerhalb der Geschichte, jedoch kein Teil des Geschehens. Er berichtet und erzählt dem Leser. Die Charaktere spricht er mit dem Namen oder mit „Er“ und „Sie“ an. Da der Auktoriale Erzähler praktisch nur Bericht erstattet, besteht automatisch eine gewisse Distanz zum Geschehen.

Beispiel: Maria zückte ihr Handy aus ihrer Manteltasche und entsperrte es, währenddessen sie weiterhin auf dem Fußgängerweg zur Bushaltestelle lief. Sie bekam eine Nachricht von ihrer Freundin Leyla in der sie fragte, ob sie sich heute nach der Uni treffen. Ungeduldig stand Max an der Bushaltestelle und sah vom weitem Maria, die in ihr Handy vertieft war. Er hegte Gefühle für sie, als er sie sah grinste er sofort und straffte die Schultern, stand da und beobachtete sie. Maria hingegen vergaß alles um sich herum als sie mit ihrer besten Freundin textete, auch das sie gleich jeden Moment in eine Laterne reinlaufen würde.

 


Der Personaler Erzähler

Der personaler Erzähler befindet sich im Gegensatz zum Auktorialen Erzähler innerhalb der Geschichte. Es wird aus der Sicht einer Figur erzählt, wobei sich der Erzähler nicht direkt in die Figur hineinversetzen kann. Es werden Gedanken und Gefühle wiederspiegelt und die Figuren werden beim Namen genannt oder als „Sie“ und „Er“ bezeichnet. Der personaler Erzähler kann sich nicht in andere hineinversetzen, er kann nur lediglich Vermutungen anstellen wie sich jemand fühlt. Doch kann es auch vorkommen, dass es einen Perspektivenwechsel gibt, indem die Geschichte dann aus einer anderen Figur weitererzählt wird.

Beispiel: Maria zückte ihr Handy aus ihrer Manteltasche und entsperrte es, währenddessen sie weiterhin auf dem Fußgängerweg zur Bushaltestelle lief. Sie bekam eine Nachricht von ihrer Freundin Leyla in der sie fragte, ob sie sich heute nach der Uni treffen wollen. Aus dem Augenwinkel nahm Maria wahr, wie sie auf einen Gegenstand zulief und sie deshalb ihre Schritte verlangsamte, wobei sie ihrer besten Freundin zurück textete. Bis sie plötzlich hörte wie jemand ihren Namen rief. Sie hob den Kopf an und schaute zur Bushaltestelle. Dort stand ein junger Mann in ihrem Alter und schaute sie direkt an. Hatte er nach ihr gerufen? Er schaute sie lächelnd an, so als hätte er Interesse an ihr.

 


Der neutrale Erzähler

Der neutrale Erzähler wird auch als der beobachtende Erzähler bezeichnet. Er berichtet nur das was von außen wahrnehmbar ist. Dem Leser bleiben die Gedanken der Figuren verborgen, auch Kommentare oder Wertungen gibt es nicht. Das führt dazu, dass der Leser nicht durch die Geschichte geführt wird, er sich nämlich ein eigenes Urteil über das Geschehen und die handelnden Personen bilden muss.

Beispiel: Maria holte ihr Handy aus der Manteltasche und entsperrte es. Sie tippte etwas in ihr Handy ein, währenddessen sie immer noch auf dem Fußgängerweg lief. Max stand an der Bushaltestelle und fing an zu grinsen. Er straffte die Schultern. Maria starrte immer noch auf ihr Handy, sie befand sich wenige Meter vor einer Laterne.

 


Der Ich-Erzähler

Der Ich-Erzähler darf mit dem Autor nicht gleichgesetzt werden. Er ist ein Zweck und Mittel dem Leser die Geschichte zu erzählen. Er ist ein Teil der Geschichte. Jedoch gibt es zwei Varianten des Ich-Erzählers: der personale und der auktoriale.
Der personaler Ich-Erzähler ähnelt dem personalen Erzähler. In dieser Erzählform kann man das Personalpronomen „ich“ aber auch gegebenenfalls „wir“ verwenden, vor allem dann wenn der Erzähler mit anderen Personen unterwegs ist. Es wird einem übermittelt, was der Ich-Erzähler sieht, hört, denkt und fühlt. Was die anderen Personen angeht, kann der Ich-Erzähler nicht schildern wie sie sich fühlen oder was sie denken, es können nur Vermutungen aufgestellt werden.
Der auktoriale Ich-Erzähler berichtet von Geschehnissen die sich zugetragen haben. Dementsprechend kann er auch Andeutungen zu Vorgriffe machen, wie diese sich zugetragen haben. Er kann zudem auch in andere Figuren hineinschauen, wenn es plausibel ist, dass diese ihm ihre Gedanken und Gefühle mitteilt haben.

Beispiel: Wieder einmal schlenderte ich müde zur Bushaltestelle. Ich zückte mein Handy und entsperrte es. Leyla fragt mich ob wir später nach der Uni uns treffen wollen. Ehrlich gesagt habe ich nach dem gestrigen Streit wirklich keine große Lust mich mit ihr zu treffen, doch ihr das genauso zu schreiben, dass wäre ein wenig hart. Als ich ihr gerade zurück schreiben wollte, hörte ich wie jemand meinen Namen rief und hob den Kopf an und schaute in die Richtung. Ein junger Mann schaute mich leicht lächelnd an. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich vor einer Laterne stehen bleib. Ich wäre doch tatsächlich beinahe in sie hineingelaufen.

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